Archiv für den Monat: Juni 2016

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Unsere Dusche

Auch wenn ich noch die vergangenen Tage aufarbeiten muss:Ich muss ungedingt die Freude über unsere Dusche mit jemandem teilen!
DAS ist das Prachtstück. Bei dem sonnig-heißen Wetter kommt sogar warmes Wasser aus unserem Aussenwasserhahn, weil der an einen hunderte Meter langen schwarzen Schlauch gekoppelt ist. Damit kann man dann den Eimer füllen und heißes Wasser kommt aus den Solarduschen.
Wenn man fünf Tage, zum Teil bei Dauerregen und Nachttemperaturen um Null Grad zugebracht hat, ist das wie 5-Stern-Luxus!!!

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Italien/Australien 2.0

Nachmittags war dann Lio dran. Mir war nicht ganz wohl dabei – aber Jenny beruhigte mich.
Dieses Mal kamen gleich beide Maremmani mit Gebell angesaust. Belle reagierte aber sofort wieder freundlich und flirtete sofort mit Lio, wie sie das auch schon bei den Spaziergängen ausserhalb der Herde getan hatte. Brutus war jedoch deutlich weniger erfreut über den kleinen schwarzen Kerl, dem seine Schwester schöne Augen machte. Lio war über die ¨Begrüßung¨ noch sehr beeindruckt, zeigte sich zwar unsicher aber auch bereit, sich notfalls zu verteidigen. Zum Glück ließ er sich absolut immer ansprechen, so dass ich ihn immer, wenn die Stimmung zu kippen drohte, aus der Situation rufen konnte, während Jenny Brutus beruhigte und ablenkte. Erstaunlicherweise verlief die erste Begegnung dadurch wesentlich weniger spektakulär, als diejenige mit Paige. Eine ganze Weile haben wir nur dagessen:Lio zwischen meine Beinen, während ich rechts und links die beiden Riesenwuschel gestreichelt habe – und natürlich auch Lio. So ein richtiges Gruppenkuscheln, bei dem alle, ich eingeschlossen, entspannten. Gaaaaanz langsam und vorsichtig konnten wir dann auch wieder aus der Weide gehen, ohne dass sich die beiden Wächter überhaupt noch für Lio interessierten.
So konnte es gern weitergehen.

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Italien/Australien 1.0

Nach dem Alpauftrieb begann für uns dann das Training mit Jenny, der Expertin vom Verein für Herdenschutzhunde.
Zum einen sollte Jenny sicherstellen, dass die beiden italienischen Hirtenhunde ihren Job an den Schafen tun, zum anderen die Zusammenarbeit der beiden großen Weissen mit unseren australischen Hütehunden in die richtigen Wege leiten.
In puncto ¨Arbeit an den Schafen¨ gab es nicht viel zu tun. Die Hunde nahmen ihren Job problemlos auf, bewachten die ganze Herde und liessen sich die neugierigen Zudringlichkeiten der neuen Schafe gefallen.

Ausserhalb der Schafherde waren die Hunde ja größtenteils schon aufeinander getroffen und es hatte keine Probleme gegeben. Auch wenn unsere Hunde an der Weide zu sehen waren, reagierten die beiden Maremmani nicht. Im Gegensatz zu fremden Hunden! Die wurden vehement angebellt.

Paige und Brutus hatten schon mal miteinander gespielt, wie Belle auf eine andere Hündin reagieren würde, wussten wir aber nicht.

Wir gingen mit Jenny zu zweit plus Paige in die Weide hinein und riefen die Hirtenhunde. Das sollte verhindern, dass wir sie plötzlich mit dem anderen Hund überraschten.
Belle kam dann auch sofort heran, begrüßte uns und auch Paige freundlich. Brutus hatte irgend etwas nicht mitgekriegt, sah nur Belle, die sich für ein Tier in der Weide interessierte und startete durch- auf Paige!
Mit drei Sätzen war er bei und über ihr und stiess heftig um. Ausser einem gehörigen Schrecken ist Paige dabei zum Glück nichts passiert. Als sie auf dem Rücken vor ihm lag, war dann mit Brutus auch alles wieder gut und er zeigte sich eher – äh – ¨anderweitig¨ an ihr interessiert.
Jenny vermittelte die ganze Zeit, beruhigte die Herdenschutzhunde oder lenkte sie kurz einmal ab. Mit purer Freundlichkeit managte sie auch brenzlige Situationen. Wir konnten mit der angeleinten Paige unter sehr wachsamen Augen an die Schafe gehen. Beim ersten Versuch, Paige arbeiten zu lassen passierte dann aber das ¨Unglück¨:Die Schafe wichen nicht vor dem Hütehund zurück, sondern liefen auf ihn zu attackierten sogar. Von allen Seiten rannten Schafe auf die arme Paige zu und die Herdenschutzhunde sahen das als agressiven Akt von Paige und rannten auch noch grummelnd in das Knäuel. Das war zuviel für die arme Paige, die schreiend vor zwei wütenden Riesen die Flucht ergriff und verfolgt wurde, bis sie sich unterwarf. Passiert ist auch dabei nichts. Ausser, dass Paiges Selbstbewusstsein einen gehörigen Knacks bekam.
Uns ist dabei das Herz auch ordentlich in die Hose gerutscht, nur Jenny blieb ruhig und gelassen und konnte alle Beteiligten wieder so weit beruhigen, dass wir schließlich doch eingermaßen entspannt zusammen über die Weide gehen konnte.

Bei dem Gedanken daran, wie sich das Zusammentreffen der beiden Rüden gestalten würde, wurde mir aber schon im Vorfeld ziemlich übel….

Aus dem Regen in die Traufe?

Bisher war ja alle Aufmerksamkeit in puncto Wolf auf das Wolfspaar in der Augstbord-Region gerichtet. Wegen der Schäden dort, soll jetzt sogar ein Wolf abgeschossen werden.

Das Val d Anniviers liegt parallel zum Turtmanntal, in dem sich dieses Wolfspaar/-rudel aufhält.

Im Augenblick sind die zwei sehr ortsfest. Daher hatten wir gehofft, dass wir noch einige Zeit Ruhe vor DIESEN Wölfen hätten.
Einige Tage vor Alpauftrieb gab es Gerüchte, ein Wolf sei auf oder in der Nähe unserer Alp in eine Fotofalle getappt. Einen Tag später soll der Wolf in der Nähe von Zinal eine Hirschkuh gerissen haben.
Hinter der Voralp fand ich dann auch noch etwas, dass ich für alte Wolfslosung hielt, was Jenny auch bestätigte.
Seit gestern ist es Gewissheit: Der Wolf hat auf der anderen Talseite bereits fünf Schafe gerissen, trotz Litzenzaun und Eseln.
Wir haben wohl unseren eigenen Wolf, mit dem wir täglich/nächtlich rechnen müssen.

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Der Alpauftrieb!

Samstag 06:00 Uhr. Der Wecker piepst mich wach. In einer Stunde sollen die ersten Schafe kommen.
Schnell fertig gemacht und losgelaufen. Um 06:45 Uhr komme ich an der Voralp an und die ersten 10 Schafe sind schon da!
Der Besitzer übergibt mir schnell die Papiere und schon ist er mit seinen zwei Begleiterinnen auch schon wieder verschwunden. Kaum habe ich mit Lio den Schafe ins Netz gestellt, kommt auch Jacy mit Paige an der Wiese an und gleich darauf die nächsten zwei Schafgruppen, die wir dann gemeinsam in den Sammelpferch bugsieren und am Ausbrechen aus dem Stromlosen Netz hindern. Die Schäfer sammeln sich derweil zur Brotzeit auf der sonnigen Wiese und geniessen den Anblick ihrer Schafe, die sich begeistert über das frische Grün hermachen.
Unser Alpmeister kommt als vorletzter mit ca. 150 Schafen in Zinal an und ich soll mit Lio beim Hochtreiben helfen. Also wieder den steilen Berg nach Zinal herunter. Unten warten schon Brutus und Belle- die Herdenschutzhunde- neben den Schafhängern. Brutus immer noch sehr mitgenommen von der Autofahrt mit geschätzt 200 Kurven.
Auch dabei ist Jenny- unsere Fachexpertin für die Zusammenführung der Herdenschützer mit unseren Hütehunden. Sie wird die nächsten fünf Tage ebenfalls auf der Voralp wohnen.
Der Auftrieb wird sehr aufregend und schweißtreibend. Zwei Lämmer fallen in den Bergbach. Eins kann ich herausziehen, ein weiteres sich selbst retten. Nicht nur ich habe Konditionsprobleme, sondern auch die Schafe. Einige wollen gar nicht mehr weiter und legen sich einfach auf den Weg. Lio, Jenny und ich treiben schieben, schreien rennen fuchteln und irgendwann sind wir endlich endlich oben.
Leider schlägt dann das Wetter um und es beginnt wie verrückt zu regnen.

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Vor dem Auftrieb

Die letzten Tage vor dem Alpauftrieb haben wir beim ¨Färben¨ der Schafe geholfen. Dazu wurden Schafe von allen Weiden zusammengetrieben. Teilweise zu Fuß, teilweise mit dem Anhänger abgeholt.
Besonders abenteuerlich war dabei eine Aktion an einem sehr sehr steilen Hang im strömenden Regen:
Die Schafe sollten abwärts gelockt werden und dann auf einer Strasse in den Hänger hinein. Schafe laufen aber ungern abwärts. Erst recht, wenn dann auch noch viele Menschen und ein Anhänger im Spiel sind. So bekam Lio seine erste Chance unter den denkbar schlechtesten Vorbedingungen denn, die Schafe kennen natürlich keinen Hütehund. Nachdem sie ihn erst einmal angegriffen hatten und er sich nicht ins Bockshorn jagen liess, entschieden sie sich zur Flucht in den Wald und eines auch auf einen Felsen über der Strasse. Da habe ich dann den Hund zurückgerufen und wir haben es weiter mit ¨Manpower¨ und einer Brottüte versucht. Das Brot hat aber nur noch drei Ponies angelockt, die sich dann auch noch unter die Schafe mischten. Keine Ahnung wie die Pferdchen da am Hang Halt finden. Wahrscheinlich haben die Saugnäpfe statt Hufe. Ich habe jedenfalls den Halt verloren und bin ca. 20m den Hang hinuntergerutscht wie auf einer Wasserrutsche. Das hat dann wenigstens die Pferde vertrieben und die Schafe waren irgendwann endlich im Hänger.
Am Stall wurden dann alle Schafe unterschiedlich farblich gekennzeichnet. Hier nennt man das gefärbt. Je nachdem, auf welche Alp sie kommen sollten. Alle Schafe wurden entwurmt und die Ohrmarkennummern für das Alpjournal aufgezeichnet.
Wir waren bei der Aktion die Fänger.

Damit haben wir dann den Donnerstag und den halben Freitag zugebracht bevor wir mit Sack und Pack und zwei Autos gegen Mittag nach Zinal aufbrachen.
Da fing die Plackerei erst richtig an:
Jeder mit mindestens 20kg Gewicht auf dem Rücken sind wir dann zur ersten Alphütte bei der Voralp gestartet. Dort sollte ich die nächsten Tage bei den Schafen zelten. Deshalb musste auch noch das Zeltequipment mit. Während ich das Zelt aufschlug ging es für Jacy mit leicht verringertem Gewicht noch einmal eine halbe Stunde bergauf zu unserer Hütte.
Nach dem Zeltaufbau bin ich dann nochmals nach Zinal abgestiegen, hab zwei Weidenetze und etwas leichten Kleinkram eingepackt und bin nochmal 45 Minuten den Berg hoch gestiegen. Dort mussten die Netze für den nächsten Tag aufgestellt werden, damit alle Schafe erst einmal zusammenbleiben, um sich aneinander und an die Herdenschutzhunde zu gewöhnen. Auf der sehr steilen Voralp war das kein Spass. Ausserdem musste ich zum ersten Mal die fünfreihigen Litzenzäune wieder in Stand setzen, die an drei Stellen vom Wild beschädigt waren.
Gegen 22 Uhr war ich mit dem Rest meines Gepäcks dann endlich an der oberen Hütte bei Jacqueline und wir hatten ein leckeres Abendessen bei Kerzenschein.

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Im Frühtau zu Berge

Gestern sind wir früh um sieben in der Früh in Richtung Zinal abgefahren. Die Nacht zuvor war mal wieder unruhig. Die Herdenschutzhunde hatten sich ein Loch unter dem Festzaun hindurch gegraben. Dieses Loch konnten wir zwar verschließen, daneben haben sie sich aber einfach einen neuen Ausgang geschaffen und waren dann die ganze Nacht immer mal wieder draußen und haben irgendwelche Bedrohungen (oder was sie dafür halten) vertrieben. Zwischendurch waren sie aber immer wieder in der Weide.
Um acht bin ich mit zwei Schweizer dann also mit 20kg Gepäck zur Alp gestartet, wo wir auch eine Stunde später ankamen (Schwitz!). Jacy hat derweil alle Tiere am und im Stall versorgt.
Dort gab es dann erst einmal eine Brotzeit, ich habe den Rucksack entladen unter weiter gings mit Zaunmaterial von der Schafalp zur Rinderalp. Angeblich ja nur 10 bis 15 Minuten entfernt. Tatsächlich waren es auf direktem Weg im Laufschritt über einen wirklich mörderischen Weg über 20 Minuten und ich bin als einziger dabei nicht in den Bach gefallen! Bei schlechtem Wetter kann man diesen Weg auf keinen Fall gehen!
Der andere Weg, den ich im Anschluss ausprobierte dauert dann mal eben so über 30 Minuten.
Eigentlich war zäunen angesagt, das hatte der Rinderhalter aber dann schon selbst erledigt. So konnte ich dann Jacy entgegen gehen, die sich mittlerweile mit einem viel zu schweren Rucksack ebenfalls auf den Weg gen Alp gemacht hatte. Etwa Mitte des Aufstiegs habe ich sie und die Hunde dann getroffen und wir haben die Last neu aufgeteilt.
Endlich auf der Alp haben wir dann unsere Vorräte erst einmal eingeräumt. Den ersten Kaffee auf dem Holzofen gekocht und die Murmeltiere und einen Adler beobachtet.
Den Rückweg über die Rinderalp zu wählen war dann jedoch ein schwerer und sehr kräftezehrender Fehler. Mann waren wir schließlich fertig, als wir am Auto ankamen.
Für die Anstrengungen haben wir uns dann selbst mit der letzten Pizza des Sommers beim Italiener belohnt. Lecker!

Wieder am Stall gab es gute und schlechte Nachrichten.

Die gute:Die Hunde stehen auf einer Weider, wo sie nicht gar so schnell ausbrechen können. Leider direkt am Weg und der Weinkellerei, weshalb Belle die halbe Nacht die Gäste des Weinkellers verbellt hat.

Noch eine schlechte Nachricht:
Im Zinal wurde ein Wolf von einer Wildkamera aufgenommen. Wir sind also auf der Alp nicht allein…

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Walliser Schwarznasenschafe

Darf ich vorstellen: Das Walliser Schwarznasenschaf!
Das Wallis beherbergt ganz besondere Rassen, auf die man hierzulande besonders stolz ist. Was in Niedersachsen das Hannoveraner Pferd ist ist hierzulande das Walliser Schwarznasenschaf. Zusammen mit den Walliser Schwarzhalsziegen und den Eringer Kühen sind sie die traditionsreichsten Rassen.

Die Schwarznasen werden eher zur Landschafts- und Brauchtumspflege gehalten, denn wegen ihrer Wolle oder des Fleisches. Obwohl beides natürlich brauchbar ist, können sie mit leistungsfähigeren Rassen nicht mithalten. Deswegen gibt es hier auch vielfach die auch in Deutschland üblichen Fleischrassen und Gebrauchskreuzungen. Auch unser Alpmeister hält nebenbei noch ein paar weiße und braune Alpenschafe, die unseren Landschafrassen ähneln.

Die Walliser Schwarznäschen werden aber auch noch wegen ihrer Schönheit gehalten. Genau wie bei Hund und Katz in Deutschland gibt es hier auch Schönheitswettbewerbe für die Schafe. Die Deckböcke hier im Stall haben geradezu astronomischen Liebhaberpreise.

Wichtig ist wohl vor allem die korrekte Farbverteilung. Komplett weiße Wolle, nur Gesicht, Ohren, Knie und Füße sind schwarz.
Beide Geschlechter bei den ¨Nasen¨ tragen Hörner, die ungewöhnlich seitlich vom Kopf weggedreht sind.

Auf die Alp kommen nur 380 Schwarznasen mit. Anderen Rassen werden wir nicht mitnehmen. Dadurch wird die Herde hoffentlich in sich besser zusammen halten.