Archiv für den Monat: Juli 2016

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Ein fast romantisches Abendessen!

Nachdem die Schäfer erst einmal wieder abgerückt waren und Waltraud erst am nächsten Tag zum Dienst erscheinen würde, hatten wir die Alp nochmals für uns allein. Das Wetter war endlich einmal nicht zu kühl, um auf der Terrasse zu essen. Also stürzten wir uns auf die geschenkten Lebensmittel vor Traumkulisse und wollten den Tag ruhig ausklingen lassen.
Schon nach wenigen Minuten strich ein Adler über die Schafweide, kleiner als der übliche König der Lüfte, der wohl auch eher eine Königin ist.
Doch nicht nur der Adlermann statte uns einen Besuch ab – auch seine Frau erschien Sekunden später auf der Bildfläche. Sie liessen unsere Schafe jedoch unbehelligt und verschwanden gemeinsam.
Kaum wollten wir weiteressen, wufften und knurrten Paige und Jazz, Wyatt flüchtete in die Hütte und Lio schlich hinter irgendetwas im hohen Gras an der Hüttenwand her. Eine Kreuzotter!!
Leider war sie zu schnell in einem Mauseloch verschwunden, um sie unschädlich zu machen. Die Terrasse werde ich in den kommenden Tagen weiter vom Bewuchs befreien, um den Schlangen die Deckung zu nehmen. Auch die Diesellappen werden aufgefrischt.

Nach der Aufregung wollten wir gerade weiter essen als unterhalb der Terrasse ein Fuchs die Kelpies zum Spielen abholen wollte.

Nächstes Mal essen wir vielleicht doch ungestörter in der Hütte.

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Raclette

Im Anschluss an den Arbeitseinsatz wurde ¨raclettiert¨. Anders als wir das aus Deutschland mit unserem Tischraclette kennen. Hier wurde ein halber Käselaib in einer speziellen Vorrichtung erhitzt und der schmelzende Käse direkt aufs Brot laufen gelassen. Dazu gab es spezielles Raclette-Gewürz, Cornichons und Perlzwiebeln. Sehr sehr lecker!
Wir haben nicht nur wahre Unmengen von frischem Brot und Raclette-Käse hier oben behalten dürfen, sondern bekamen auch noch zusätzlich Brot, Käse und frisches Obst geschenkt. Jacy is(s)t im siebten Käsehimmel!

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Ein Dutzend Schäfer und eine Praktikantin

Ein Dutzend Schäfer kamen am Sonntag auf die Alp, um die Weide 4 einzuzäunen. Schon kurz nach 6 war der erste vor Ort, die anderen folgten kurz danach. Mit den Schäfern kam auch unsere neue Praktikantin – Waltraud aus Deutschland. Waltraud soll uns in der nächsten Woche hier unterstützen, da ich noch bis zum 24. Juli krank geschrieben bin.
Den Zaun haben die Schäfer mit so vielen Leuten in Windeseile fertig gekriegt. Nur die obersten zwei Litzen und die Unterteilung der riesigen Weide sollen Jacy und Waltraud in der nächsten Woche noch fertig stellen.

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Stellungswechsel

Da ich ja nun nicht laufen kann, übernimmt Jacy alle Aufgaben, die mit Laufen verbunden sind. Also die Kontrolle der Zäune und Schafe, Fütterung und Pflege der Herdenschutzhunde und die Gassigänge mit unseren Hunden. Heute kam auch noch das Besorgen von Brennholz hinzu. Die letzten kalten Tage haben unseren Holzvorrat schrumpfen lassen. Zwar ist es jetzt tagsüber schön. Nachts gibt es aber immer noch Frost.
Jacy hat also das Holz herbeigeschleppt und ich hab es dann zersägt, bis ich nicht mehr stehen konnte.

Der Adler war heut auch wieder da, hat aber nur geschaut. Ein paar wirklich dämliche Touristen meinten sie könnten die Abkürzung quer durch die Weide nehmen und seien schneller als die Maremmanos. Irrtum! Hätte ich die Hunde nicht verbal stoppen können, wäre wohl ein Unglück passiert. Und das obwohl jede Menge Schilder am Eingang stehen, die zum einen aussagen, dass da kein Durchgang ist und zum anderen dass man auf KEINEN Fall rennen soll. Und dann RENNEN diese Idioten durch die Weide!

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Heimfahrt mit Hindernissen

Nach einer Nacht im Hotel war nun die Frage: Wie komme ich zurück auf die Alp?
Ich rief also den Alpmeister an, teilte mit, dass ich zur Zeit noch in Sion bin und auf meine Schmerzmedikamente warte. Er bot an, dass mich seine Frau gegen 8:30 abholen und wenigstens nach Zinal fahren könnte. Leider seien beide Quads, die zum Transport der Ausrüstung benutzt wurden defekt. Ich könnte dann aber Sonntag mit den Schäfern und einem Quad wieder auf die Alp fahren.

Leider kam aber um halb neun niemand. Gegen neun wurde ich langsam nervös, denn der letzte Postbus aus Sierre nach Zinal fährt laut Internet um 9:45 Uhr. Eine Rückfrage beim Alpmeister ergab, dass das Auto, das mich abholen sollte kaputt ist und das zweite Auto unabkömmlich. Ich musste mich also selbst um eine Beförderungsmöglichkeit kümmern. Ich rief mir ein Taxi, dass mich noch rechtzeitig die 10km nach Sierre zur Bushaltestelle fuhr und nahm von dort den Postbus nach Zinal.
In Zinal wandte ich mich an die Touristinformation und hoffte, dass mir dort jemand genannt werden könnte, der mich irgendwie auf die Alp kriegt. Die Dame von der Tourist-Info war super nett und hilfsbereit und ließ das Telefon heißlaufen. Die Gemeinde, die über ein Fahrzeug verfügt, dass am Tag des Unfalls noch auf der Alp war, ließ mich ziemlich abblitzen. Nicht mal das letzte Stück von der ersten Hütte Alp Lirec bis zu unserer Hütten durften mich die Angestellten fahren.

Auf Umwegen fand sich jemand aus dem Ort mit einem Quad, der mich hochfahren wollte. Ich jubelte!
Zu früh, wie sich herausstellen sollte, denn nach nicht einmal einem Drittel der Fahrt, gab das Quad fast den Geist auf. Der Fahrer ließ mich im Wald absteigen, wünschte mir noch einen schönen Tag und verschwand wieder ins Tal. Zum Glück funktionierte wenigstens wieder Jacquelines Telefon. Sie kam mir entgegen mit einem Gehstock und nahm mir wenigstens meinen Rucksack ab. Wir begannen einen sehr langsamen Aufstieg. Schritt mit rechts, linkes Bein ranziehen, Schritt mit rechts, linkes Bein ranziehen…

Gegen 15 Uhr war ich wieder auf der Alp. Juhuuu. Den Rest des Tages habe ich hauptsächlich verschlafen, während sich Jacy um die Schafe und Hunde gekümmert hat.

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Gorillas im Nebel

Nein, nicht die Tiere. Zum Aufladen unserer Handys nutzen wir zwei sogenannte Power-Gorillas. Sie werden über ein Solarpanel geladen. Bis zu 5 Handy-Aufladungen sollen da drin sein. Leider ist nur unser neuer Gorilla voll intakt. Der geliehene andere reicht nur für eine Handy-Ladung. Leider braucht man für das Solar-Panel auch Sonne. Gerade die ist aber in den letzten Tagen Mangelware auf der Alp. Ich sitze nun hier im Hotel und die arme Jacy hat nicht einmal mehr ein funktionierendes Handy, weil wir die Geräte seit drei Tagen nicht richtig aufladen konnten. Ist echt ein blödes Gefühl und ich mache mir richtig Sorgen.

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Ist 13 eine Glückszahl?

Eigentlich nicht. Und der 13. Juli war zwar kein Freitag, ein Glückstag aber auch nicht. Jedenfalls nicht für mich.
Nach dem zum Glück abgewehrten Adlerangriff verschlechterte sich das Wetter immer mehr. Erst viel mehr Nebel, dann Kälte. Der Regen ging erst in Hagel und Graupel und schließlich in nassen Schnee über.
Wir machten uns Sorgen um die Schafe, vor allem um die Lämmer. Die Schafe hatten sich über die komplette Weide 3 verteilt. Der Plan war, die Schafe mit Salz in den rechten Teil der Weide zu locken, wo Felsen und Bäume ein wenig Schutz bieten und die Hunde es auch im Nebel leichter haben, zu wachen.
Leider liessen sich die Schafe dieses Mal nicht locken. Ich begann also die verstreuten Schafe zusammen zu treiben. Sowas macht normalerweise Lio. Wegen Brutus ging das nun aber nicht. Während ich eine Gruppe Schafe den Berg hinuntertrieb, rutschte ich leicht mit dem Fuss aus. Das gab einen Ruck im Knie, zusammen mit einem Gefühl, als ob ein Gummiband reisst und auch ein entsprechendes Geräusch. Der stechende Schmerz liess mich dann gleich auf dem Hosenboden landen. Sofort waren die Maremmanos bei mir. Je einer links und rechts. Stubsten und leckten mich. Brutus ¨flöhte¨ sogar meinen Hut. Sie versuchten auch die Schafe abzublocken, die just in diesem Augenblick merkten, dass ich wohl Salz dabei hatte und mich von allen Seiten zu bedrängen begannen. Ich konnte noch einen Notruf an Jacy absenden. Die mir entgegen eilte während ich versuchte auf einem Bein den steilen rutschigen Hang hinunter zu kommen. Verfolgt von Schafen, die mich einklemmten, schubsten und die Hörner in alle Körperteile rammten. Zum Glück kam Jacy dann auch bald und hielt mir ein bißchen die Herde vom Hals.
Wir beschlossen, bis zum nächsten Tag abzuwarten, ob ich wieder laufen kann. Leider konnte ich das, trotz Jacquelines Pflege, auch am nächsten Morgen nicht. Die Ärzte im Tal lehnten einen Hausbesuch ab. Ins Tal laufen konnte ich auch nicht und Jacy war nicht bereit mich zu tragen. Obwohl ich abgenommn habe. Also blieb als letzte Wahl nur, den Helikopter zu rufen. So habe ich mal das Wallis von oben und das Krankenhaus in Sion von innen gesehen. Jetzt trage ich eine wunderschöne lila Beinschiene und geniesse den Luxus eines Hotelzimmers im Hotel du Rhone. Morgen werde ich versuchen meinen Weg zurück zur armen im Nebel gefangenen Jacy zu finden.

Unsere Helden!

Am 12. Juli sind unsere Zwillingslämmer geboren worden. Nicht nur das Wetter im Augenblick kann den Lämmern gefährlich werden. Denn seit Tagen wird das Wetter immer schlechter und kälter.
Für zartes Lammfleisch gibt es in den Alpen so einige Interessenten.
Während ich auf dem Weg zu den Rindern in Arolec war und dieses Mal gleich noch eine Shopping-Tour im Tal drangehängt habe hat Jacy die Schafe im Auge behalten. Immer wieder hüllte dichter Nebel die Weide ein.
Als der Nebel dann einmal aufriss, konnte sie beobachten, dass statt Belle nun Brutus die Nähe der Lämmer suchte und sich in deren Nähe niederlegte. Plötzlich schoss aus dem Tal ein großer Schatten in Richtung der Lämmer an Jacy vorbei. So dicht, dass sie unwillkürlich den Kopf einzog. Unser Steinadler hatte die Lämmer als Ziel erfasst und raste auf sie zu.
Brutus lag bis zum letzten Augenblick regungslos neben den Lämmern. Jacy befürchtete schon, er würde schlafen. Im letzten Augenblick sprang er jedoch dem Adler entgegen und verfehlte ihn nur um Handbreite. Jacy meinte, ihr sei wirklich die Kinnlade heruntergefallen! Was für ein Sprung!
Der Adler kam überrascht ins Trudeln und strich über die Weide ab, verfolgt von zwei wütenden großen Hunden.
Als ich nachmittags wieder zu Hause ankam, erzählte sie mir die Story. Als ich zur Weide hinaufsah bellte Belle in meine Richtung. Das tut sie normalerweise nicht. Als ich mich umdrehte strich ein Fuchs etwa 50 m unter mir über die alte Weide. Gute Belle! Sie hat ihn aus weit über 100m Entfernung entdeckt. Die Kelpies haben dem Fuchs dann erklärt, dass er in der Nähe der Schafe unerwünscht ist.

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Surprise, surprise!

Gleich eine doppelte Überraschung gab es beim letzten Rundgang in der Weide.
¨Eigentlich¨ sollten keine Schafe auf der Alp lammen. Und trotzdem hatten wir gestern Abend zwei gesunde frisch geborene Bocklämmer auf der Weide. Belle hatte wohl die Geburt überwacht und sich gleich um die Nachgeburt gekümmert – den Blutspuren in ihrem Gesicht nach zu urteilen. Belle hat dann auch gleich die Bewachung der kleinen Familie übernommen, da die Mama auch etwas abseits vom Rest der Herde die Nacht verbringen musste. Gute Belle. Auch wenn dieser Dienst am Schaf vom Muttertier nicht unbedingt auf Gegenliebe stiess.
Wie wichtig die Herdenschutzhunde für die Lämmer sind hat sich dann schon am nächsten Tag herausgestellt.

Leider können auch die Hunde nichts an dem schrecklichen Wetter ändern. Denn es regnet und regnet. Und kalt ist es auch noch!

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Zaunbau in Weide 4, Teil 5

Auf dem Rückweg entdeckten wir dann noch das Materiallager mit Plastikstäben. Den Zeltplatz der Zivis und eine alte Alphütte, die ebenfalls noch zur Alp gehört. Lio fand die Hütte absolut gruselig. Alles an ihr. Er hat die Hütte angeknurrt und verbellt! Okay, sieht wirklich ein bißchen gruselig aus.

Fertig geworden sind wir natürlich noch lange nicht. Es folgen wahrscheinlich noch viele Beiträge über den Zaunbau dort oben.