Schlagwort-Archiv: Herdenschutzhund

Unsere Helden!

Am 12. Juli sind unsere Zwillingslämmer geboren worden. Nicht nur das Wetter im Augenblick kann den Lämmern gefährlich werden. Denn seit Tagen wird das Wetter immer schlechter und kälter.
Für zartes Lammfleisch gibt es in den Alpen so einige Interessenten.
Während ich auf dem Weg zu den Rindern in Arolec war und dieses Mal gleich noch eine Shopping-Tour im Tal drangehängt habe hat Jacy die Schafe im Auge behalten. Immer wieder hüllte dichter Nebel die Weide ein.
Als der Nebel dann einmal aufriss, konnte sie beobachten, dass statt Belle nun Brutus die Nähe der Lämmer suchte und sich in deren Nähe niederlegte. Plötzlich schoss aus dem Tal ein großer Schatten in Richtung der Lämmer an Jacy vorbei. So dicht, dass sie unwillkürlich den Kopf einzog. Unser Steinadler hatte die Lämmer als Ziel erfasst und raste auf sie zu.
Brutus lag bis zum letzten Augenblick regungslos neben den Lämmern. Jacy befürchtete schon, er würde schlafen. Im letzten Augenblick sprang er jedoch dem Adler entgegen und verfehlte ihn nur um Handbreite. Jacy meinte, ihr sei wirklich die Kinnlade heruntergefallen! Was für ein Sprung!
Der Adler kam überrascht ins Trudeln und strich über die Weide ab, verfolgt von zwei wütenden großen Hunden.
Als ich nachmittags wieder zu Hause ankam, erzählte sie mir die Story. Als ich zur Weide hinaufsah bellte Belle in meine Richtung. Das tut sie normalerweise nicht. Als ich mich umdrehte strich ein Fuchs etwa 50 m unter mir über die alte Weide. Gute Belle! Sie hat ihn aus weit über 100m Entfernung entdeckt. Die Kelpies haben dem Fuchs dann erklärt, dass er in der Nähe der Schafe unerwünscht ist.

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Surprise, surprise!

Gleich eine doppelte Überraschung gab es beim letzten Rundgang in der Weide.
¨Eigentlich¨ sollten keine Schafe auf der Alp lammen. Und trotzdem hatten wir gestern Abend zwei gesunde frisch geborene Bocklämmer auf der Weide. Belle hatte wohl die Geburt überwacht und sich gleich um die Nachgeburt gekümmert – den Blutspuren in ihrem Gesicht nach zu urteilen. Belle hat dann auch gleich die Bewachung der kleinen Familie übernommen, da die Mama auch etwas abseits vom Rest der Herde die Nacht verbringen musste. Gute Belle. Auch wenn dieser Dienst am Schaf vom Muttertier nicht unbedingt auf Gegenliebe stiess.
Wie wichtig die Herdenschutzhunde für die Lämmer sind hat sich dann schon am nächsten Tag herausgestellt.

Leider können auch die Hunde nichts an dem schrecklichen Wetter ändern. Denn es regnet und regnet. Und kalt ist es auch noch!

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Belle wieder zurück im Dienst

Belle geht es heute schon viel besser. Die neue Weide scheint ihr zu gefallen und wurde gleich eingehend inspiziert. Als besondere Attraktion für die Hunde gibt es im oberen Bereich ein Hirschskelett. Den armen Kerl hatte wohl im Winter eine Lawine erwischt.

Wir sind etwas beruhigter, dass wieder beide Hunde aufpassen. Denn der Wolf hat sich jetzt auf der anderen Talseite bis ganz zum Ende durchgearbeitet und auf der Alp Lalle Schafe gerissen. Hoffentlich kommt er nicht auf unser Seite.

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Belle ist wieder da!

Belle ist nach dem Schlangenbiss wieder da. Sie kam mit dem Alpmeister und den zwei Herren vom Kanton hier an. Noch muss sie Medikamente nehmen. Die Lymphknoten am Hals sind noch super dick geschwollen und sie speichelt auch noch. Wegen der Hitze war sie noch bis zum Abend an der Hütte, wo sie Schatten und Ruhe vor den aufdringlichen Schafen hatte. Sie ist noch sehr matt. Futter und Wasser schmecken aber schon wieder und mit Lio, Paige und Wyatt wollte sie gleich spielen. Mussten wir leider unterbrechen, weil sie sich ja noch schonen soll. Über ihren Bruder hat sie sich gefreut, er sich über sie noch viel mehr. Nach der letzten Medikamentengabe musste sie zu ihrem größten Bedauern das Krankenlager an der Hütte wieder verlassen und liegt jetzt auf ihrem alten Schlafplatz bei den Schafen.
Ein paar Tage wird es wohl noch dauern bis sie wieder ganz die alte ist. Hoffentlich hält sie sich künftig von Schlangen fern!
Ein Notfall-Set mit Cortison haben wir jetzt immer zur Hand. Wir hoffen, dass wir es nie brauchen.

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Unsere kriechenden Nachbarn aus der Hölle

Ich habe nichts gegen Schlangen. Ich war sogar in der fünften Klasse in der Schlagen-AG der Schule und bin nicht unbedingt so ängstlich. Aber was die Kreuzottern hier abziehen hat was von einem Horror-Film.

Beim Zaunziehen, hat Jacy vorgestern wieder eine Kreuzotter gesehen. Das Riesenreptil, das in unserem Eingang herumlungerte hat Jacy gestern mit einer zirkusreifen Balance-Nummer umgesiedelt. Hab ihr schon mal Jongleure gesehen, die mit zwei Stöcken einen dritten Stock jonglieren? Stellt Euch das ganze mit einer lebenden Giftschlange statt eines Stockes vor! Entweder ist die Höllenotter aber wieder zurück oder sie hat eine Zwillingsschwester, die auch hier wohnt. Denn heute ist mir eine Kreuzotter über die Schuhe geschlängelt und unter unserem Wäschpfahl verschwunden.

Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn die Viecher harmlos wären. Sind sie aber leider nicht. Man(n) stirbt nicht von einem Biss. Hund oder Lamm eventuell schon. Und leider hat es heute unsere Belle erwischt. Ein Biss knapp neben der Nase. Sie ist so furchtbar schnell extrem schlimm angeschwollen und wir haben mindestens eine halbe Stunde bergab zum Auto. Wenn man rennt. Belle konnte aber nicht mehr gehen und kaum noch atmen.
Ihr Besitzer konnte glücklicherweise eine Rettungshelikopter bekommen. Mit zwei Tierärztinnen, Sanitäter und Besitzer kam der Heli hier an. Vielen lieben Dank an die Air Zermatt dafür!
Das hat Belle das Leben gerettet. Sie ist nun schon auf dem Weg der Besserung und soll schon morgen hier wieder ankommen.
Brutus wäre also heute Nacht allein für den Schutz der Schafe verantwortlich. Leider hat er sich auf die Suche nach seiner Schwester gemacht und ist durch den angeschalteten Stromzaun ausgerissen. Hoffentlich kommt er bald zurück!

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Italien/Australien 3.0

Nachdem wir die ersten – nervlich anstrengenden – Begegnungen der verschiedenen Schafhundetypen gemeistert hatten, gingen die weiteren Begegnungen wesentlich entspannter ab. Wir gingen immer mit angeleintem Hütehund zur Herde, riefen die Herdenschutzhunde und konnten, nachdem alle etwas entspannt hatten, die Hütehunde auch freilaufend mitnehmen.
Erstaunlicher Weise war das mit Lio wesentlich einfacher, weil er sich abgeleint sofort in den Arbeitsmodus begab: Nur noch Augen für die Schafe, die anderen Hunde ignorierend. Eigentlich hätte ich erwartet, dass genau das die Herdenschützer erbost, tat es aber nicht. Wurde die Situation doch einmal brenzlig, konnte man durch Hinlegen des Hütehundes sofort wieder Ruhe in die Situation bekommen. Allerdings funktionierte das nur so lange der Hütehund in unmittelbarer Nähe des Hundeführers ist. Daran hat sich leider bisher nichts geändert.

Nachdem Jenny nach fünf Tagen abgereist war hatten wir auch prompt einige kleinere Rückschläge. Wir bleiben mit dem Training aber dran. Denn irgendwann wollen wir nicht mehr selbst hinter den Schafen herlaufen und ¨Allez!¨ rufen oder die Maremmani einfangen und festbinden müssen, damit die Kelpies in Ruhe arbeiten können.

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Und täglich grüßt…

…das Murmeltier!
Unzählige der putzigen Nager leben hier ringsum auf den Weiden und sogar im Wald. Sie begleiten unsere Spaziergänge mit ihren Pfiffen und auch die Herdenschutzhunde sind ganz begeistert von ihnen. Ihr Interesse ist allerdings eher kulinarischer Natur.
Brutus war allerdings so nett unserem Besuch aus Sachsen mal ein unzerkautes Exemplar zur Ansicht vorzulegen. Echt lieb von ihm!
Leider sind sie recht kamerascheu (zumindest lebend).

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Italien/Australien 2.0

Nachmittags war dann Lio dran. Mir war nicht ganz wohl dabei – aber Jenny beruhigte mich.
Dieses Mal kamen gleich beide Maremmani mit Gebell angesaust. Belle reagierte aber sofort wieder freundlich und flirtete sofort mit Lio, wie sie das auch schon bei den Spaziergängen ausserhalb der Herde getan hatte. Brutus war jedoch deutlich weniger erfreut über den kleinen schwarzen Kerl, dem seine Schwester schöne Augen machte. Lio war über die ¨Begrüßung¨ noch sehr beeindruckt, zeigte sich zwar unsicher aber auch bereit, sich notfalls zu verteidigen. Zum Glück ließ er sich absolut immer ansprechen, so dass ich ihn immer, wenn die Stimmung zu kippen drohte, aus der Situation rufen konnte, während Jenny Brutus beruhigte und ablenkte. Erstaunlicherweise verlief die erste Begegnung dadurch wesentlich weniger spektakulär, als diejenige mit Paige. Eine ganze Weile haben wir nur dagessen:Lio zwischen meine Beinen, während ich rechts und links die beiden Riesenwuschel gestreichelt habe – und natürlich auch Lio. So ein richtiges Gruppenkuscheln, bei dem alle, ich eingeschlossen, entspannten. Gaaaaanz langsam und vorsichtig konnten wir dann auch wieder aus der Weide gehen, ohne dass sich die beiden Wächter überhaupt noch für Lio interessierten.
So konnte es gern weitergehen.

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Italien/Australien 1.0

Nach dem Alpauftrieb begann für uns dann das Training mit Jenny, der Expertin vom Verein für Herdenschutzhunde.
Zum einen sollte Jenny sicherstellen, dass die beiden italienischen Hirtenhunde ihren Job an den Schafen tun, zum anderen die Zusammenarbeit der beiden großen Weissen mit unseren australischen Hütehunden in die richtigen Wege leiten.
In puncto ¨Arbeit an den Schafen¨ gab es nicht viel zu tun. Die Hunde nahmen ihren Job problemlos auf, bewachten die ganze Herde und liessen sich die neugierigen Zudringlichkeiten der neuen Schafe gefallen.

Ausserhalb der Schafherde waren die Hunde ja größtenteils schon aufeinander getroffen und es hatte keine Probleme gegeben. Auch wenn unsere Hunde an der Weide zu sehen waren, reagierten die beiden Maremmani nicht. Im Gegensatz zu fremden Hunden! Die wurden vehement angebellt.

Paige und Brutus hatten schon mal miteinander gespielt, wie Belle auf eine andere Hündin reagieren würde, wussten wir aber nicht.

Wir gingen mit Jenny zu zweit plus Paige in die Weide hinein und riefen die Hirtenhunde. Das sollte verhindern, dass wir sie plötzlich mit dem anderen Hund überraschten.
Belle kam dann auch sofort heran, begrüßte uns und auch Paige freundlich. Brutus hatte irgend etwas nicht mitgekriegt, sah nur Belle, die sich für ein Tier in der Weide interessierte und startete durch- auf Paige!
Mit drei Sätzen war er bei und über ihr und stiess heftig um. Ausser einem gehörigen Schrecken ist Paige dabei zum Glück nichts passiert. Als sie auf dem Rücken vor ihm lag, war dann mit Brutus auch alles wieder gut und er zeigte sich eher – äh – ¨anderweitig¨ an ihr interessiert.
Jenny vermittelte die ganze Zeit, beruhigte die Herdenschutzhunde oder lenkte sie kurz einmal ab. Mit purer Freundlichkeit managte sie auch brenzlige Situationen. Wir konnten mit der angeleinten Paige unter sehr wachsamen Augen an die Schafe gehen. Beim ersten Versuch, Paige arbeiten zu lassen passierte dann aber das ¨Unglück¨:Die Schafe wichen nicht vor dem Hütehund zurück, sondern liefen auf ihn zu attackierten sogar. Von allen Seiten rannten Schafe auf die arme Paige zu und die Herdenschutzhunde sahen das als agressiven Akt von Paige und rannten auch noch grummelnd in das Knäuel. Das war zuviel für die arme Paige, die schreiend vor zwei wütenden Riesen die Flucht ergriff und verfolgt wurde, bis sie sich unterwarf. Passiert ist auch dabei nichts. Ausser, dass Paiges Selbstbewusstsein einen gehörigen Knacks bekam.
Uns ist dabei das Herz auch ordentlich in die Hose gerutscht, nur Jenny blieb ruhig und gelassen und konnte alle Beteiligten wieder so weit beruhigen, dass wir schließlich doch eingermaßen entspannt zusammen über die Weide gehen konnte.

Bei dem Gedanken daran, wie sich das Zusammentreffen der beiden Rüden gestalten würde, wurde mir aber schon im Vorfeld ziemlich übel….