Schlagwort-Archiv: Hütehund

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Weide 3 ist erreicht

Heute haben wir die Schafe auf die neue Weide umgetrieben. Meiner Meinung nach die schönste Weide bisher. Die Weideränder liegen höher als das Innere und man kann vom Rand die ganze Weide jeweils überblicken. Sollte ein einfacher Job für die Maremmani sein, dort die Schafe zu schützen. Eingestreute Felsen und einige wenige Bäume bieten wenigstens ein bißchen Schatten für die Schafe. Zwei Bäche und ein kleiner Teich sorgen für die Wasserversorgung.
Der rechte Teil sieht aus, als hätten sich die besten Landschaftsgärtner der Welt einen Steingarten gebaut. Wunderschön mit Alpenrosen, kleinen Sträuchern, Quellen, Wasserfällen und vielen vielen Felsen.

Lio hat beim Umtrieb wirklich einen super Job gemacht. Ohne ihn wäre die Aktion viel schwieriger, wenn nicht unmöglich geworden. Sein Vorteil ist, dass er auf Kommando bellt und Schafe von vorn anspringt. Damit kriegt er die eher sehr sturen und durchaus angriffslustigen Schwarznasen gut bewegt. Die Walliser Schafe sehen zudem ¨dank¨ der üppigen Wolle im Gesicht wirklich schlecht. Da ist es gut, wenn sie den Hund von Zeit zu Zeit wenigstens hören.
In zwei großen Gruppen von links und rechts der Weide haben wir die Schafe durch den für sie neuen Übergang gebracht. Lief wie am Schnürchen. Nur ein Trupp von etwa 30 Schafen hatte sich gleich zu Beginn des Treibens hinter einem Abhang versteckt. Diese Truppe war wirklich schwierig und versuchte alle Tricks, um NICHT zu den anderen Schafen zu müssen. Selbst als alle dreißig Schafe gleichzeitig hangabwärts auf Lio zustürmten hat er sich nicht ins Boxhorn jagen lassen, den Trupp souverän gedreht und schon waren schließlich auch sie der neuen Weide.

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Italien/Australien 3.0

Nachdem wir die ersten – nervlich anstrengenden – Begegnungen der verschiedenen Schafhundetypen gemeistert hatten, gingen die weiteren Begegnungen wesentlich entspannter ab. Wir gingen immer mit angeleintem Hütehund zur Herde, riefen die Herdenschutzhunde und konnten, nachdem alle etwas entspannt hatten, die Hütehunde auch freilaufend mitnehmen.
Erstaunlicher Weise war das mit Lio wesentlich einfacher, weil er sich abgeleint sofort in den Arbeitsmodus begab: Nur noch Augen für die Schafe, die anderen Hunde ignorierend. Eigentlich hätte ich erwartet, dass genau das die Herdenschützer erbost, tat es aber nicht. Wurde die Situation doch einmal brenzlig, konnte man durch Hinlegen des Hütehundes sofort wieder Ruhe in die Situation bekommen. Allerdings funktionierte das nur so lange der Hütehund in unmittelbarer Nähe des Hundeführers ist. Daran hat sich leider bisher nichts geändert.

Nachdem Jenny nach fünf Tagen abgereist war hatten wir auch prompt einige kleinere Rückschläge. Wir bleiben mit dem Training aber dran. Denn irgendwann wollen wir nicht mehr selbst hinter den Schafen herlaufen und ¨Allez!¨ rufen oder die Maremmani einfangen und festbinden müssen, damit die Kelpies in Ruhe arbeiten können.

Schon wieder ein Hund weg!

Dieses Mal hat es Wyatt erwischt. Nach Brutus und Belle ist auch er mit dem Stromzaun in Berührung gekommen. Weg war er! Ab in den Wald! Nach fünf bangen Stunden hat er sich dann beim Spaziergang mit seinen Eltern einfach wieder angeschlossen, als sei nichts passiert. Wir sind soooooo froh ihn wieder zu haben!

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Italien/Australien 2.0

Nachmittags war dann Lio dran. Mir war nicht ganz wohl dabei – aber Jenny beruhigte mich.
Dieses Mal kamen gleich beide Maremmani mit Gebell angesaust. Belle reagierte aber sofort wieder freundlich und flirtete sofort mit Lio, wie sie das auch schon bei den Spaziergängen ausserhalb der Herde getan hatte. Brutus war jedoch deutlich weniger erfreut über den kleinen schwarzen Kerl, dem seine Schwester schöne Augen machte. Lio war über die ¨Begrüßung¨ noch sehr beeindruckt, zeigte sich zwar unsicher aber auch bereit, sich notfalls zu verteidigen. Zum Glück ließ er sich absolut immer ansprechen, so dass ich ihn immer, wenn die Stimmung zu kippen drohte, aus der Situation rufen konnte, während Jenny Brutus beruhigte und ablenkte. Erstaunlicherweise verlief die erste Begegnung dadurch wesentlich weniger spektakulär, als diejenige mit Paige. Eine ganze Weile haben wir nur dagessen:Lio zwischen meine Beinen, während ich rechts und links die beiden Riesenwuschel gestreichelt habe – und natürlich auch Lio. So ein richtiges Gruppenkuscheln, bei dem alle, ich eingeschlossen, entspannten. Gaaaaanz langsam und vorsichtig konnten wir dann auch wieder aus der Weide gehen, ohne dass sich die beiden Wächter überhaupt noch für Lio interessierten.
So konnte es gern weitergehen.

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Italien/Australien 1.0

Nach dem Alpauftrieb begann für uns dann das Training mit Jenny, der Expertin vom Verein für Herdenschutzhunde.
Zum einen sollte Jenny sicherstellen, dass die beiden italienischen Hirtenhunde ihren Job an den Schafen tun, zum anderen die Zusammenarbeit der beiden großen Weissen mit unseren australischen Hütehunden in die richtigen Wege leiten.
In puncto ¨Arbeit an den Schafen¨ gab es nicht viel zu tun. Die Hunde nahmen ihren Job problemlos auf, bewachten die ganze Herde und liessen sich die neugierigen Zudringlichkeiten der neuen Schafe gefallen.

Ausserhalb der Schafherde waren die Hunde ja größtenteils schon aufeinander getroffen und es hatte keine Probleme gegeben. Auch wenn unsere Hunde an der Weide zu sehen waren, reagierten die beiden Maremmani nicht. Im Gegensatz zu fremden Hunden! Die wurden vehement angebellt.

Paige und Brutus hatten schon mal miteinander gespielt, wie Belle auf eine andere Hündin reagieren würde, wussten wir aber nicht.

Wir gingen mit Jenny zu zweit plus Paige in die Weide hinein und riefen die Hirtenhunde. Das sollte verhindern, dass wir sie plötzlich mit dem anderen Hund überraschten.
Belle kam dann auch sofort heran, begrüßte uns und auch Paige freundlich. Brutus hatte irgend etwas nicht mitgekriegt, sah nur Belle, die sich für ein Tier in der Weide interessierte und startete durch- auf Paige!
Mit drei Sätzen war er bei und über ihr und stiess heftig um. Ausser einem gehörigen Schrecken ist Paige dabei zum Glück nichts passiert. Als sie auf dem Rücken vor ihm lag, war dann mit Brutus auch alles wieder gut und er zeigte sich eher – äh – ¨anderweitig¨ an ihr interessiert.
Jenny vermittelte die ganze Zeit, beruhigte die Herdenschutzhunde oder lenkte sie kurz einmal ab. Mit purer Freundlichkeit managte sie auch brenzlige Situationen. Wir konnten mit der angeleinten Paige unter sehr wachsamen Augen an die Schafe gehen. Beim ersten Versuch, Paige arbeiten zu lassen passierte dann aber das ¨Unglück¨:Die Schafe wichen nicht vor dem Hütehund zurück, sondern liefen auf ihn zu attackierten sogar. Von allen Seiten rannten Schafe auf die arme Paige zu und die Herdenschutzhunde sahen das als agressiven Akt von Paige und rannten auch noch grummelnd in das Knäuel. Das war zuviel für die arme Paige, die schreiend vor zwei wütenden Riesen die Flucht ergriff und verfolgt wurde, bis sie sich unterwarf. Passiert ist auch dabei nichts. Ausser, dass Paiges Selbstbewusstsein einen gehörigen Knacks bekam.
Uns ist dabei das Herz auch ordentlich in die Hose gerutscht, nur Jenny blieb ruhig und gelassen und konnte alle Beteiligten wieder so weit beruhigen, dass wir schließlich doch eingermaßen entspannt zusammen über die Weide gehen konnte.

Bei dem Gedanken daran, wie sich das Zusammentreffen der beiden Rüden gestalten würde, wurde mir aber schon im Vorfeld ziemlich übel….