Schlagwort-Archiv: Unfall

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Heimfahrt mit Hindernissen

Nach einer Nacht im Hotel war nun die Frage: Wie komme ich zurück auf die Alp?
Ich rief also den Alpmeister an, teilte mit, dass ich zur Zeit noch in Sion bin und auf meine Schmerzmedikamente warte. Er bot an, dass mich seine Frau gegen 8:30 abholen und wenigstens nach Zinal fahren könnte. Leider seien beide Quads, die zum Transport der Ausrüstung benutzt wurden defekt. Ich könnte dann aber Sonntag mit den Schäfern und einem Quad wieder auf die Alp fahren.

Leider kam aber um halb neun niemand. Gegen neun wurde ich langsam nervös, denn der letzte Postbus aus Sierre nach Zinal fährt laut Internet um 9:45 Uhr. Eine Rückfrage beim Alpmeister ergab, dass das Auto, das mich abholen sollte kaputt ist und das zweite Auto unabkömmlich. Ich musste mich also selbst um eine Beförderungsmöglichkeit kümmern. Ich rief mir ein Taxi, dass mich noch rechtzeitig die 10km nach Sierre zur Bushaltestelle fuhr und nahm von dort den Postbus nach Zinal.
In Zinal wandte ich mich an die Touristinformation und hoffte, dass mir dort jemand genannt werden könnte, der mich irgendwie auf die Alp kriegt. Die Dame von der Tourist-Info war super nett und hilfsbereit und ließ das Telefon heißlaufen. Die Gemeinde, die über ein Fahrzeug verfügt, dass am Tag des Unfalls noch auf der Alp war, ließ mich ziemlich abblitzen. Nicht mal das letzte Stück von der ersten Hütte Alp Lirec bis zu unserer Hütten durften mich die Angestellten fahren.

Auf Umwegen fand sich jemand aus dem Ort mit einem Quad, der mich hochfahren wollte. Ich jubelte!
Zu früh, wie sich herausstellen sollte, denn nach nicht einmal einem Drittel der Fahrt, gab das Quad fast den Geist auf. Der Fahrer ließ mich im Wald absteigen, wünschte mir noch einen schönen Tag und verschwand wieder ins Tal. Zum Glück funktionierte wenigstens wieder Jacquelines Telefon. Sie kam mir entgegen mit einem Gehstock und nahm mir wenigstens meinen Rucksack ab. Wir begannen einen sehr langsamen Aufstieg. Schritt mit rechts, linkes Bein ranziehen, Schritt mit rechts, linkes Bein ranziehen…

Gegen 15 Uhr war ich wieder auf der Alp. Juhuuu. Den Rest des Tages habe ich hauptsächlich verschlafen, während sich Jacy um die Schafe und Hunde gekümmert hat.

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Ist 13 eine Glückszahl?

Eigentlich nicht. Und der 13. Juli war zwar kein Freitag, ein Glückstag aber auch nicht. Jedenfalls nicht für mich.
Nach dem zum Glück abgewehrten Adlerangriff verschlechterte sich das Wetter immer mehr. Erst viel mehr Nebel, dann Kälte. Der Regen ging erst in Hagel und Graupel und schließlich in nassen Schnee über.
Wir machten uns Sorgen um die Schafe, vor allem um die Lämmer. Die Schafe hatten sich über die komplette Weide 3 verteilt. Der Plan war, die Schafe mit Salz in den rechten Teil der Weide zu locken, wo Felsen und Bäume ein wenig Schutz bieten und die Hunde es auch im Nebel leichter haben, zu wachen.
Leider liessen sich die Schafe dieses Mal nicht locken. Ich begann also die verstreuten Schafe zusammen zu treiben. Sowas macht normalerweise Lio. Wegen Brutus ging das nun aber nicht. Während ich eine Gruppe Schafe den Berg hinuntertrieb, rutschte ich leicht mit dem Fuss aus. Das gab einen Ruck im Knie, zusammen mit einem Gefühl, als ob ein Gummiband reisst und auch ein entsprechendes Geräusch. Der stechende Schmerz liess mich dann gleich auf dem Hosenboden landen. Sofort waren die Maremmanos bei mir. Je einer links und rechts. Stubsten und leckten mich. Brutus ¨flöhte¨ sogar meinen Hut. Sie versuchten auch die Schafe abzublocken, die just in diesem Augenblick merkten, dass ich wohl Salz dabei hatte und mich von allen Seiten zu bedrängen begannen. Ich konnte noch einen Notruf an Jacy absenden. Die mir entgegen eilte während ich versuchte auf einem Bein den steilen rutschigen Hang hinunter zu kommen. Verfolgt von Schafen, die mich einklemmten, schubsten und die Hörner in alle Körperteile rammten. Zum Glück kam Jacy dann auch bald und hielt mir ein bißchen die Herde vom Hals.
Wir beschlossen, bis zum nächsten Tag abzuwarten, ob ich wieder laufen kann. Leider konnte ich das, trotz Jacquelines Pflege, auch am nächsten Morgen nicht. Die Ärzte im Tal lehnten einen Hausbesuch ab. Ins Tal laufen konnte ich auch nicht und Jacy war nicht bereit mich zu tragen. Obwohl ich abgenommn habe. Also blieb als letzte Wahl nur, den Helikopter zu rufen. So habe ich mal das Wallis von oben und das Krankenhaus in Sion von innen gesehen. Jetzt trage ich eine wunderschöne lila Beinschiene und geniesse den Luxus eines Hotelzimmers im Hotel du Rhone. Morgen werde ich versuchen meinen Weg zurück zur armen im Nebel gefangenen Jacy zu finden.